eierkochautomat

Dr. Drone, Diaries Of An Emo Outcast Junkie

Millionen Buchstaben

ich möchte einmal erklären und festhalten, warum ich Tagebuch geschrieben habe und warum ich aufhörte und warum ich wieder anfangen möchte. Alles begann anfangs der Zweitausender Jahre. Ich kaufte mir einen PC und habe das erste mal das Internet betreten. Die exakt fast erste Seite die ich gefunden und durchgelesen habe war, alleingelassen.de - wow das hat mich weggeblasen. Das war Kunst im Internet und geheimnisvoll und cool und hat mich angefixt. Sowas wollte ich auch. Ich wollte eine eigene Webseite und wusste zwar nicht was ich damit dann machen sollte, aber ich wollte das. So wurde glasklinge.de dann geboren die zuallererst aber end_raum hieß, weil das der erste Nickname war den ich benutze weil ich Endraum die band sehr liebte. Ich war sehr grün hinter den Ohren und bin einfach angefangen und landete dann auch im Silke Bischoff Forum wo die Buchstaben zuallererst geflogen sind. Ich kam von der Arbeit nach Hause und schrieb ins Forum meine Pizza Geschichten auf und was mir so alles passierte mit den Menschen die ich beliefert habe.

Da habe ich auch kein Blatt vor dem Mund genommen und ich bastelte Millionen von stunden an meiner Webseite die fast über Jahre lang alle paar tage das Design änderte und ein großes Labyrinth wurde und dafür berüchtigt berühmt war. Das machte ohne Ende Spaß und alle texte landeten auf meine Webseite und ich schrieb und schrieb und ich schrieb oft wie im Rausch und manchmal schrieb ich spontan in Gästebücher und anderen Foren meine Erlebnisse mein Lachen mein Weinen und mein kotzen. Immer mehr und mehr und ich habe dann irgendwann Felix Flaucher auch angesteckt der mir sowieso täglich sein Leben seine Erlebnisse in E-Mail,s schickte und so kamen wir auf die Idee ein Tagebuch für ihn zu machen das ich auf meiner Webseite veröffentlichte.

Er wollte das nicht unter seinen Namen machen und so habe ich mir ausgedacht ihm den Namen Christopher W. zu geben und wir nannten das, The Diary of Christopher W. oder auch mal, die geheimen Aufzeichnungen des Christopher W. usw. Trotzdem wusste jeder oder fast jeder, der die band Silke Bischoff kannte, das er es ist. Felix schickte mir alle paar tage einen Haufen texte und Bilder dazu und ich brachte das online. Er schrieb ohne Ende und ich schrieb ohne Ende. Millionen von Buchstaben sammelten sich an und die Jahre vergingen und digitale Pixel wurde in die Welt geschickt.

Ich weiß nicht mehr ob es 2007, 2008 oder 2009 war aber ich kam in den Job und mein Chef nahm mich zur Seite. Es hatten ihn Kunden angesprochen die durch Google zufällig auf meine texte gestoßen sind und sich wieder erkannt haben. Ich hatte beim Schreiben im Rausch leider auch ab und zu einen Straßennamen, einen Stadtteil die Stadt und auch die Vornamen meiner Arbeitskollegen erwähnt. Scheiße Das fand er natürlich gar nicht gut und ich fand es auch nicht gut das Menschen mich lesen, die sowas wie Kleingärtner pisse für mich waren und ich habe dann zuhause angefangen einfach fast alles zu löschen statt zu überarbeiten um den Wiedererkennungswert zu beseitigen. Man hatte mich sowieso erkannt und ich würde nun unter Beobachtung stehen. Felix passierte das gleiche. Man sprach ihn darauf an weil Leute sich wiedererkannten aus dem Job und vermutlich auch privat.

Wir versteckten sein Tagebuch unter ein Passwort und obwohl es noch Jahre weiterlief war es nie mehr dasselbe. Felix hatte Scheren im Kopf und meine Schere in meinem Kopf zerschnitt mein Gehirn und ich hatte kaum noch Lust etwas aufzuschreiben. Es funktionierte nicht wenn ich mich zensieren sollte und damit meine ich nicht, das man unbedingt Namen und eine Straße erwähnen muss sondern das ich wusste, das nun Menschen zuschauen die nicht kapieren wie ich ticke und rein gar nichts raffen oder verstehen. Alles relevante wurde gelöscht und später sogar von meiner Festplatte und das wars.

Glasklinge machte ich aber weiter und natürlich meine Musik die immer mehr zu meinem Tagebuch der Gefühle wurde, die man dadurch aber noch weniger verstehen konnte was mir aber egal ist. Ich habe nicht ganz aufgehört zu schreiben und sicher wurde auch immer wieder mal sehr pur und ungefiltert, aber es wurde niemals mehr so, wie es gewesen ist. Ich hatte nochmal eine große Phase des schreibens als ich meine damalige Freundin kennenlernte und ließ sehr viel Sperma und Herzklopfen auf meine Tastatur tropfen. Dann kam der Alltag ins leben aber meine Freundin und ich haben noch einige heftige gehasste und geliebte und umstrittene Kunstprojekte auf die Glasklinge gehauen. Wir gegen den Rest der Welt und dann wurde es still und immer stiller und alles stand da nur noch rum um Rost und Schimmel zu produzieren und eines Tages wie es das Leben so will, war ich wieder alleine. Ich machte und mache Musik ohne Ende mit Eisenlager und das wars. Ich dachte sehr oft darüber nach glasklinge zu löschen und nur noch die Webseite von Eisenlager zu behalten.

Diese Gedanken wurden in den letzten tagen sehr konkret denn ich hatte ein schlechtes Gefühl damit diese Leiche da im Internet stehen zu lassen und ihr dabei zuzusehen, wie sie vermottet. Natürlich sind sowieso die Zeiten vorbei wo sich die Menschen für eine private Homepage interessieren aber das war mir sowieso immer egal. Das war mein Baby aber das Baby hatte aufgehört zu schreien.

Es gibt da so eine Webseite die sich Internet Archive nennt und dort gibt es eine Wayback Maschine. Du gibst eine URL ein und sie spuckt dann bis ins Jahr 1996 zurück verschiedene Snapshots von den verschiedenen Jahren bis zum heutigen Tag aus obwohl das aktuell dann gar nicht mehr bei dir selber auf der Webseite online ist. Je länger ein Datum zurückliegt umso weniger lässt sich finden, Bilder von der Webseite fast nie oder selten. Es ist immer ein großes Glücksspiel. Ich kannte die schon ein paar Jahre aber vor ein paar Tagen habe ich mich erneut hingesetzt und angefangen zu suchen und ich fand einen Snapshot der noch gut erhalten war und meine Tagebücher enthielt und zwar vom Jahre 2000 an. Das lag zum teil auch daran weil ich damals auf glasklinge mehrere ecken hatte, wo alles aufbewahrt wurde. Ich möchte sagen das ich ca 90-95 % wiedergefunden hab. Ich war ganz aufgeregt und begann alle texte zu kopieren.

Ich konnte natürlich nicht anfangen das alles nun sofort durchzulesen weil das einfach zu viel war aber ich habe vieles überflogen um Straßennamen und orte und MenschNamen zu entfernen und packte das auf die glasklinge. Manches war irgendwie durcheinander aber ich packte das nach Jahreszahlen geordnet da hin so gut es ging denn alles perfekt zu sortieren würde nicht in ganz kurzer zeit möglich sein und ich bin doch so ungeduldig. Wow, da isses nun dachte ich und einige texte habe ich natürlich doch ganz gelesen und plötzlich durchströmte mich eine liebe zu meiner Webseite und zu allem, was ich da in den letzten 18 Jahren an Erinnerungen aufgebaut hatte. Das darf nicht sterben das darf nicht verrotten denn das bin ja ich. Ich fing in den letzten tagen an meine Webseite wieder zu verschönern sie aufzuräumen und Bereiche wieder herzustellen die es zuletzt nicht mehr gab. Da steht sie nun mein Baby mein Mädchen mein Teenie meine Frau. 18 Jahre alt und sie blitzt und lächelt mich an und wirft mir küsse und herzen zu und mein Körper wird von elektrischen nullen und Einsen durchzuckt und macht mich gerade sehr glücklich.

Ich habe gestern sogar noch ein paar weitere texte im Internet gefunden und heute gibt es noch eine letzte stelle, die ich abgrasen werde und dann sitzt wieder jeder Rock jedes Kleid und jeder Slip an der Glasklinge an seiner richtigen stelle und ich hauche ihr dann neuen Odem ein und werde sie benutzen und lieben und pflegen und es ist egal wie OUT es ist, etwas außerhalb von Facebook Instagram und der ganzen sozialen Internet Welt zu tun aber ich tue es. Ich mache es natürlich auch weiterhin HIER und dort aber mein Mädchen Glasklinge nehme ich an die Hand um mit ihr die letzten Wege dieses leben zusammen zu gehen und zu erleben und zu dokumentieren, ich werde wieder schreiben ich mache weiter meine Musik und werde versuchen, der zu sein der ich immer gewesen bin ohne irgendetwas zu versuchen, was andere von mir erwarten.

Wenn du einen Baum verbiegen willst wird es eines Tages tief drinnen KNICK KNACK machen und noch mehr eines Tages werden ein paar blätter welken und noch mehr eines Tages ist da gar kein Blatt mehr zu sehen und noch mehr eines Tages wird ein Wind kommen um die Reste dieses Baumes auf die Seite zu legen und eines Tages gibt es nur noch Geschichten eines Baumes zu lesen und zu hören, der einmal ein Baum gewesen ist ... es lebe die Glasklinge – ich liebe euch – Dr. Drone, Diaries Of An Emo Outcast Junkie und Eisenlager, electric krautrock und manchmal Joy Division. In liebe, der schlachter und ewiges gedenken an Felix Flaucher und alle die ihn LIEBTEN + LIEBEN. Silke Bischof – the man on the wooden cross – Track 7 the crystal lake.mp3 … in my diary.

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Februar 2, 2018